Ist virales Marketing planbar?

1/6/2011 von Volker Grünauer | , , | Noch keine Kommentare

Das gerade aktuelle Beispiel von Grand Rapids zeigt wieder, welchen positiven Effekt gut geplante Videos haben. Grand Rapids ist eine knapp 200.000 Einwohner zählende Stadt in Michigan, USA. Kürzlich wurde sie durch Newsweek noch auf der Liste der aussterbenden Städte geführt. Das haben die Einwohner Grand Rapids und allen voran deren Bürgermeister aber gar nicht gerne gelesen.

Grand Rapids hat als Antwort auf den Artikel ein Lipdub Video erstellt, bei dem mehrere hundert Einwohner zum Song American Pie von Don McLean performen.

Lipdub ist eine spezielle Form eines Musikvideos, bei der mehrere Darsteller die Lippen synchron zu einem Song bewegen. Das Spezielle daran: das ganze Video wird in nur einer Sequenz aufgenommen.

Eine eindrucksvolle Darbietung die nicht nur dafür sorgte, dass sich Newsweek rechtfertigen musste, sondern auch bereits nach wenigen Stunden von mehr als einer Million Menschen auf YouTube gesehen wurde. Viele Blogs, Zeitungen, Fernseh- und Radiostationen berichten über das Video und Grand Rapids. Eine Positiv-Werbung, die man sonst wohl nur mit enormen Kostenaufwand erreichen würde.

Grand Rapids Lipdub Video

Schwangere Frauen in Gefahr

Oxfam, eine weltweit tätige Hilfsorganisation, hat mit einem Flashmob Video ihr Anliegen kommuniziert. Eine Gruppe schwangere Frauen fangen in dem Video spontan mit einem Breakdance an. Sicherlich nicht gesund für das ungeborene Kind. Oxfam möchte damit auf die Vielzahl schwangerer Frauen in der Dritten Welt hinweisen, die aufgrund fehlender Versorgung Gefahr laufen, ihr Kind zu verlieren. Das Video schockiert, letztendlich aber auf eine positive Weise. Es bringt ein vielfach unbeachtetes Thema auf den Punkt. Mehr als 1,2 Millionen haben sich das Video bereits angesehen.

Oxfam Flashmob Video

Ein Video zum Mitmachen

Und weil es lustig ist, noch ein Video von Skittles (Kaubonbons). Skittles hat mehrere Videos produziert, die den Betrachter gleich aktiv ins Geschehen einbeziehen:

Skittles Video

Erfolgsfaktoren für virale Videos

Was sind die Erfolgesfaktoren eines viralen Videos? Hier ein paar Faktoren, die mir ganz unwissenschaftlich spontan einfallen:

  • Werbung wirkt. Das Video muss vermarktet werden. Grand Rapids hat gezeigt, wie es geht: es gab bereits Radiobeiträge und Zeitungsartikel, bevor das Video überhaupt online war. Wenn auch nur in der Lokalpresse, so hat dies gleich eine Nachfragesituation und Spannung erzeugt. Neudeutsch sagt man auch seeding dazu. Also das Video muss wie ein Samen breit auf Blogs, Webseiten, Plattformen verstreut werden.
  • Viele Beteiligte. Klar gibt es zahlreiche Beispiele, bei denen nur eine Person das Video geplant und ausgeführt hat. Letztendlich führt aber ein Video mit vielen Darstellern auch dazu, dass man gleich vom Start viele Multiplikatoren hat. Für geplante virale Videos zahlt es sich also aus, mehr Leute einzubinden.
  • Erkennbare Botschaft. Es gibt zahlreiche Beispiele von viralen Videos, die zwar lustig sind, aber kein erkennbares Ziel haben. Möchte man das virale Video nutzen, muss letztendlich das Ziel, die gewünschte Botschaft, eine mögliche Aktion klar erkennbar sein. Skittles hat dies mit der Werbebotschaft am Ende des Videos gut gelöst.
  • Anreize fürs Weiterempfehlen. Der User erwartet sich durch das Weiterleiten einen positiven Effekt. Sei es, dass er Freude verbreitet oder durch die Botschaft als Wohltäter identifiziert wird.
  • Das Video muss zumindest eine dieser Tangenten erfüllen:
    • unterhaltend, außergewöhnlich witzig
    • neu oder einzigartig
    • extrem nützlich
    • schockierend
  • Richtige Plattformen nutzen. das Video muss auf einer der großen Plattformen gehostet werden. Youtube oder Google Video bietet sich an. Diese Plattformen bieten vor allem auch dem Nutzer die Möglichkeit, Videos einfach weiterzuleiten. Die technischen Voraussetzungen müssen stimmen.

Fallen Ihnen noch weitere Erfolgsfaktoren für virale Videos ein? Ideen und Kommentare sind willkommen.

Übrigens: Oxfam stellt sein virales Video und die Hintergrundgeschichte auch beim nächsten Treffen der Social Media Manager Gruppe am 7. Juli in Wien vor.

Autor

Volker Grünauer

Hat für Internetagenturen als Designer und Projektleiter gearbeitet bevor er in einem internationalen Konzern für die Strategie aller 40 Webseiten in 27 Ländern verantwortlich war. Nun ist Volker Ansprechpartner für die deutschsprachigen Aktivitäten von J. Boye und moderiert Expertengruppen zu Themen wie Intranet, Web-Management und Social Media.

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